Herbstnachmittag, Hall & Oates und der Glubb

Posted on 8. November 2010

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Da ich neben Fußball auch das Thema Musik in nicht geringem Maße anschneide, muss einfach dieser Aberglaube, der sich bei mir eingeschlichen hat, hier erwähnt werden. Es war vor dem Heimspiel gegen Stuttgart als ich zum ersten Mal bewusst einen Hall & Oates Song auf dem Weg zum Dutzendteich Biergarten gehört hab. Es war eines dieser 80er Jahre Stücke die man irgendwie kennt, aber wenn man danach gefragt wird nicht zuordnen kann. Wie auch immer, über den Sommer hinweg hat sich eben jener Song als totaler Ohrwurm bei mir ins Hirn gebrannt. Als einige Tage darauf das Spiel gegen Schalke anstand, kam mir vormittags zufälligerweise der Song wieder unter die Finger und ich erinnerte mich an das Heimspiel zuvor. Da man als Fußballfan eine zugegebenermaßen große Affinität zu abergläubischen Handlungen hat und ein fast Monk-haftes Verhalten an den Tag legt (und da ist das Tragen des Trikots vom letzten Sieg noch das geringste), wurde dieser Song in letzter Zeit vor jedem Clubspiel gehört. Ich glaube, dass ich vor dem St.Pauli Spiel den Song vergessen hatte, anders kann ich mir die Niederlage nicht erklären.

Erst zu Spielbeginn um 15.30 Uhr konnte ich mich nun letzten Samstag auf den Weg zum Stadion machen. Die moderne Technik erlaubt es einem ja, sogar unterwegs nicht auf live Fußball verzichten zu müssen. Schnickschnack sagen die einen, wunderbare neue Welt sagt der Fußballfan wenn er auf ein kleines pixeliges Display schaut und mit seinem Verein mitfiebert. Der Club geht nach wenigen Minuten durch ein Traumtor von Hegeler in Führung, am Straßenrand balle ich die Faust und ernte vielleicht komische Blicke von meinen Mitmenschen. Egal, ich hoffe auf ein besseres Bild, denn bisher hat nur der Liga Total Kommentator das Wort Traumtor in den Mund genommen. Ich glaube ihm, denn ich seh es nur undeutlich. Das sowieso schon vorhandene Kribbeln steigt, und die Gedanken drehen sich schon um die Tabelle nach dem Spiel. Wie schön wären 18 Punkte! Wären das wirklich schon 10 auf Köln? Oh Gott, hoffentlich können die das 1-0 halten. Hoffnung, Zweifel, Daumen drücken. Vergebens, denn die Schwäche nach Ecken bleibt auch beim Glubb 2010 vorerst erhalten. Köln hat ausgeglichen und man hofft auf eine ähnliche Wendung des Spiels wie in den Wochen zuvor, Führung Club, Ausgleich, Führung Club – Sieg. Ach wenn’s doch wirklich immer so schön wär.

Ich komme dem Stadion näher und merke, dass an einem solchen regnerischen Herbsttag (manche nennen das Sauwetter, ich finde es ist tolles Fußballwetter, auch wenn ich damit etwas allein dastehe) das Stadion aus der Ferne mit den leuchtenden Flutlichtmasten etwas magisches hat. Nieselregen, diese Ruhe um mich herum, aus der Ferne die Gesänge der Nordkurve, die mit jedem Schritt ein klein wenig lauter werden. Man spürt die Energie die von diesem Ort ausgeht. Es ist zwar nur ein Heimspiel am 11. Spieltag gegen Köln, aber das ist egal. Der Club spielt. Ich freue mich, sogar noch vor dem Pausenpfiff ins Stadion zu kommen aber da kommt mir wieder dieser eine Song in den Kopf. Also, Ohrstöpsel nochmal schnell reingedrückt, Wiedergabeliste ausgewählt, mit dem Shuffle Button springt die Musik an und als hätte das Gerät gewusst was ich hören will, erklingt der Schlagzeug Beat von Hall & Oates. Gesang kommt dazu: „What I want, you’ve got, But it might be hard to handle…“ Magischer Moment, Aberglaube, Vorfreude – alles wird bedient.

Das Lied ist aus, ich hab noch wenige Meter bis zum Eingang in den Block vor mir, Kopfhörer schnell weggepackt und dann passiert es. Wäre ich in einem Hollywood Film würde ich es sofort glauben, aber die Realität sieht doch sonst nie so aus. Und doch ist es wahr. Ich halte dem Ordner meine Dauerkarte hin und in diesem Moment bricht ekstatischer Jubel um mich herum aus. Ohne einen Blick aufs Spielfeld geworfen zu haben balle ich erneut die Fäuste, reiße die Arme in die Luft und springe so gut es geht die Stufen hinunter um Bruder und Vater zu finden. In bin endlich im Stadion und der Club geht erneut in Führung. Unser Million Dollar Baby kann es auch mit dem Kopf, wer hätte das gedacht.

Die zweite Halbzeit verläuft zwar nicht so gut wie die erste, zu gut muss der Club da den Gegner beherrscht haben, wenn man von dieser Situation beim Ausgleich absieht. Köln ist am Drücker, wirkt aber trotzdem in nur ganz wenigen Situationen richtig gefährlich. Könnten wir unsere Konter noch besser zu Ende spielen, dann wäre die Entscheidung auch schon früher gefallen. An der Stelle muss Hecking noch ansetzen, genauso wie bei gegnerischen Ecken. Gut, es kann auch noch nicht alles perfekt sein, das nimmt aber auch keiner an. Eine Minute vor dem Ende ist es dann soweit, der unbestrittene Mann des Spiels, Jens Hegeler, spitzelt einem Kölner den Ball an der Mittellinie vom Fuß und stürmt fast alleine aufs Tor zu. Er könnte sein zweites Tor an diesem Tag erzielen, aber so eigensinnig scheint beim Club zur Zeit keiner zu sein. Perfekt wird der Ball zu Schieber hinübergespielt, der aus wenigen Metern alles klar macht. 3-1! Wie im Traum erlebe ich die letzten 120 Sekunden.

 

 

 

 

 

 

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Die 18 Punkte sind nun auf dem Konto, Platz 6 punkt- und torgleich mit dem HSV – der beste Saisonstart seit 19 Jahren. Nächste Woche gehts zu den Bayern, die 2 Punkte hinter dem Ruhmreichen anzutreffen sind. Ja, es gab schon schlechtere Phasen beim Club, und weil man diese als Clubfan im Grunde besser kennt als solche Siegesserien, gehen die meisten auch vernünftig an die Sache heran. Erstmal nicht absteigen, damit ist man 06/07 auch gut gefahren.

Das Derby am Sonntag ist aber dann doch schon eine besondere Sache, die man diesmal auch ganz locker und entspannt angehen kann. Vor dem Spiel werde ich auch diesen bestimmten Song hören, der eigentlich ja an eine Frau gedacht sein soll. Aber wie man so als Fußballfan ist, wird sowas schnell umgemünzt. Man möge uns verzeihen.

Ach ja, der Song heißt „You Make My Dreams“.

 

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Posted in: Football, Glubb