Aus- Aus- Auswärtssieg!

Posted on 1. November 2010

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Foto: nordphoto

Man hofft zwar immer ein wenig, dass der Club für ne Überraschung gut ist, meistens kommt’s aber grad dann ganz anders. Dazu kommt dieser Fluch, den manche in sich tragen. Kein großes Ding eigentlich, aber familienintern haben wir festgestellt, dass sich große Feiern nie mit einem Clubsieg verbinden. Entweder der Club ist der Grund weswegen man feiert, oder es gibt die Feier aber der Club lässt sich noch eine Packung einschenken und man darf sich dann von Bekannten oder der Verwandschaft wieder die schon viel zu oft gehörten Sprüche anhören ‚Na, hat er wieder mal verloren‘, ‚der Club ist a Depp‘, oder auch immer gern gehört ‚etz steigns wieder mal ab‘. Mit diesen Gedanken im Kopf ging’s am Samstag zu einer großen Familienfeier. Schon mittags ging’s hin, damit man sich im dörflichen Sky Wirtshaus den Club anschauen kann. Den ersten Sieg verbuchen wir gleich vor Anpfiff. Man zeigt den Club – die Bayern hatten ja schon tags zuvor gespielt. Puh…

Die folgenden 20-25 Minuten ließen auch nichts gutes erahnen. Immerhin fiel das Gegentor ein paar Minuten später als beim letzten Gastspiel im Weserstadion, aber wohl nur die größten Optimisten haben zu dem Zeitpunkt noch auf eine positive Wendung gehofft. Zu überlegen, zu mitreißend stürmte Werder auf unser Tor zu, vor allem Marin wusste unsere Hintermannschaft ein ums andere Mal in Verlegenheit zu bringen. Allein Schäfer ist es zu verdanken, dass wir im Spiel blieben. Unglaublich wie er bei Pizarros Schuss aus 5 Metern noch die Hand hochreißen konnte.

Als es gefühlt schon 3-0 stand, die Anzeige aber immer noch bloß den einen Gegentreffer vermeldete, durfte der Club durch Gündogan auch einmal aufs Tor schießen. Dieser Moment schien das Spiel etwas ins Kippen zu bringen und unsere Elf besann sich auf unsere derzeitige Stärke. Nie zurückzustecken. Einen Ausgleich kurz vorm Ende wieder in eine Führung zu verwandeln klappte ja schon prima in den letzten Heimspielen, aber nun in Bremen einen Rückstand einfach aus den Knochen zu schütteln, das hätte man, vor allem so, nicht erwartet. Die Vorbereitung zum 1-1 vom wiedereinmal ganz starken Schieber war traumhaft. Wie er Prödl auf engstem Raum im Sechzehner stehen lässt sind Spielszenen, die man seit einigen Jahren nicht mehr gesehen hat. Hach ja, so einen Stürmer hätte man im Sommer 2007 bekommen müssen, aber was soll’s. Jedenfalls, Gündogan musste nur noch aus 3 Metern einschiebern – Ausgleich noch vor der Halbzeit. Perfekt gemacht.
Mit einem Paukenschlag ging’s dann weiter. Schieber stürmte erneut aufs Werder Tor zu,  der Torwart ließ den Ball nur abklatschen und diesmal stand Ekici goldrichtig und zog aus 16m ab – 2-1! Vier Glubbfans brachten den Frankenwald zum toben. Fortan spielten 11 wackere Glubberer einen wunderbaren Offensivfußball, Bremen fand eine Weile überhaupt nicht mehr statt und eigentlich hätte das 3-1 schon folgen müssen, wäre Gündogan nur ein paar Zentimeter größer. So beginnt in so einem Moment die große Gedankenspirale. Können wir das 2-1 halten? Wäre man jetzt noch mit einem Unentschieden zufrieden? Gottseidank konnte der Club diesmal aber wirklich nachlegen. Hegeler brachte den Ball nach einem tollen Sololauf an der Seitenlinie in den Strafraum, und nach dem Latte-Pfosten-Scheibenschießen schoß Gündogan zum 3-1 ein. Da konnte auch Frings auf der Torlinie nichts mehr machen. Ekstase im Frankenwald!

Natürlich bangt man immer noch, dass der Anschlusstreffer nicht fällt, vor allem da Bremen in den letzten 3 Spielen gegen uns noch in den letzten Minuten einen Treffer erzielen konnte, aber diesmal stand unsere Abwehr.  Die 91. Minute war selbst für Werder zu spät um nach dem 2-3 nochmal gefährlich vor unser Tor zu kommen.

Auswärtssieg in Bremen, nach einer Woche mit dem Weiterkommen im Pokal und dem Heimsieg gegen Wolfsburg. Ein Traum. Das Grinsen ging an diesem Abend nicht mehr aus den Gesichtern. Wo man nun mit 15 Punkten nach 10 Spielen steht, lässt sich in dieser Saison noch nicht so ganz sagen. Zu viele Fragezeichen stehen noch hinter vielen Teams. Ist es möglich, dass Schalke und Stuttgart länger da unten drin bleiben. Wie geht es bei Gladbach, Köln und den vor der Saison gehandelten Abstiegskandidaten weiter? Im Moment ist alles recht eng, so auch der Abstand nach oben. Also heißt es erstmal den Augenblick zu genießen. Die Mannschaft scheint in sich gefestigt zu sein, ist in der Lage spielerisch zu glänzen aber auch den dreckigen Ball nach vorne zu spielen. Man muss zwar aufarbeiten, warum man sich 30 Minuten lang in Bremen so verstecken konnte, warum doch wieder das 2-3 aus einer dämlichen Situation heraus gefallen ist, aber wie man Hecking mittlerweile kennt, wird das garantiert passieren und unsere Mannschaft scheint zur Zeit auch gut zuzuhören.

Egal wie die Wochen nun bis Weihnachten verlaufen werden, fürchten muss man sich vor keinem Spiel, wenn die Mannschaft mit vollem Ernst dabei ist. Weder in der Liga noch im Pokal. Was am Ende unterm Tannenbaum liegt wird man sehen. Aber ich freu mich schon auf die nächsten Spiele.

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Posted in: Football, Glubb